Das Wichtigste in Kürze
Dein Kursplan entscheidet mit, ob Kurse voll sind und Mitglieder bleiben. Starte mit echten Check-in-Daten, richte Zeiten an deiner Zielgruppe aus und gib jedem Level einen klaren Platz in der Woche. Rechne pro Kurs den Break-even aus, ändere nur wenige Slots pro Quartal und teste neue Zeiten acht Wochen lang, bevor du entscheidest.

Dienstag, 12:15 Uhr: zwei Reformer belegt, acht Maschinen leer. Donnerstag, 18:30 Uhr: Warteliste mit elf Namen. Wenn du solche Bilder aus deinem Studio kennst, liegt das selten an fehlender Nachfrage, sondern oft am Kursplan. Er bestimmt, wann Mitglieder kommen können, welche Kurse zu ihrem Level passen und ob ein Kurs wirtschaftlich trägt. In diesem Guide baust du deinen Kursplan Schritt für Schritt neu auf oder verbesserst ihn.
Warum der Kursplan ein Bindungsinstrument ist
Bei Pilates-Studios ist die Kapazität hart begrenzt: Die Zahl der Reformer auf deiner Fläche ist die Zahl der Plätze pro Kurs. Jeder Slot, den du anbietest, kostet Trainerhonorar und Miete, egal ob zwei oder zehn Personen kommen. Gleichzeitig ist der Kursplan das, was Mitglieder jede Woche konkret erleben. Passt er nicht zu ihrem Alltag, buchen sie seltener, und wer seltener kommt, kündigt eher. Ein guter Plan ist also Wirtschaftlichkeit und Kundenbindung in einem.
Schritt 1: Starte mit Daten statt Bauchgefühl
Bevor du irgendetwas verschiebst, brauchst du eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die wichtigste Zahl ist die Auslastung pro Kurs: tatsächlich eingecheckte Teilnehmende geteilt durch verfügbare Plätze. Nimm Check-ins, nicht Buchungen, denn Buchungen überzeichnen die Realität, sobald No-Shows dazukommen. Welche weiteren Zahlen sich lohnen, liest du in unserem Artikel zu den wichtigsten Kennzahlen im Pilates-Studio.
Als Orientierung: Der Anbieter bsport nennt in einem Fachartikel unter Berufung auf BusinessDojo eine Zielauslastung von 75 bis 85 Prozent. Darunter, so der Artikel, lässt du Umsatz liegen; bei über 90 Prozent musst du Interessierte abweisen und die Erfahrung leidet. Das sind Richtwerte, keine Gesetze. Dein Studio kann mit anderen Preisen und Gruppengrößen anders rechnen, aber die Spanne hilft dir bei der Einordnung.
Lege dir eine einfache Tabelle an: Wochentag, Uhrzeit, Level, Trainer:in, Plätze, durchschnittliche Check-ins der letzten acht Wochen. Schon nach einer Stunde Arbeit siehst du, welche Slots dein Studio tragen und welche nur Kosten verursachen.
Schritt 2: Richte die Zeiten an deiner Zielgruppe aus
Viele Studios berichten Spitzen am frühen Morgen und am frühen Abend; bsport beschreibt typische Stoßzeiten zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 17 und 20 Uhr, ohne dafür eine Quelle zu nennen. Nimm das als Hypothese und prüfe es an deinen eigenen Daten. Entscheidend ist, wer in deiner Nachbarschaft wohnt und arbeitet.
Vormittag und Mittag
Liegt dein Studio in einem Wohnviertel, funktionieren Vormittagskurse oft für Eltern nach dem Kita-Start, Selbstständige und Menschen im Ruhestand. In einem Büroviertel sind kurze Mittagsformate von 30 bis 45 Minuten interessant. Ein Beispiel: Ein Studio in Bürolage testet donnerstags um 12:30 Uhr ein „Reformer Express“ und erkennt nach acht Wochen, ob der Slot trägt.
Abend und Wochenende
Der Feierabend ist für viele Berufstätige der einzige Zeitraum, deshalb solltest du dort die meisten Plätze und die beliebtesten Trainer:innen einplanen. Das Wochenende eignet sich für längere Formate, Workshops und Specials, weil Mitglieder mehr Zeit haben und bereit sind, mehr zu investieren.
Schritt 3: Gib jedem Level einen festen Platz
Neue Mitglieder haben Respekt vor dem Reformer. Stehen sie im ersten Kurs neben Fortgeschrittenen, die jede Übung im Schlaf beherrschen, kommen sie oft nicht wieder. Umgekehrt langweilen sich erfahrene Mitglieder, wenn jede Stunde auf Einsteigerniveau läuft. Ein klares Level-System löst beides.
Bewährt hat sich eine einfache Struktur: Einsteiger-Kurse, Mixed-Level-Kurse und Fortgeschrittenen-Kurse, jeweils mit verständlicher Beschreibung in der Buchung. Bsport schlägt vor, die Level über die Woche zu staffeln, etwa Einsteiger zu Wochenbeginn, Mittelstufe in der Wochenmitte und Fortgeschrittene gegen Ende. Das ist eine Empfehlung, kein bewiesenes Muster. Wichtiger ist die Verlässlichkeit: Wenn der Einsteigerkurs immer montags um 18:00 Uhr stattfindet, können Neue ihn fest einplanen.
Plane außerdem einen sichtbaren Aufstieg ein: Wer zehn Einsteigerstunden hinter sich hat, bekommt ein Gespräch über den nächsten Schritt. So wird der Kursplan zum Entwicklungsweg und nicht nur zur Liste von Terminen.
Schritt 4: Gruppengröße und Reformer-Zahl klug nutzen
Bsport nennt als typische Gruppengröße im Reformer-Studio 8 bis 12 Teilnehmende und verweist auf ein Betreuungsverhältnis von etwa 1:8 bis 1:10. Auch das ist eine Branchenorientierung. Für dich zählt: Je kleiner die Gruppe, desto mehr Korrektur und Betreuung bekommt jede Person; je größer, desto höher der Umsatz pro Stunde. Genau hier kannst du differenzieren.
Du kannst zum Beispiel Einsteiger-Kurse bewusst klein halten, etwa mit sechs statt zehn Plätzen, und sie als „Intensiv-Betreuung“ positionieren. In den beliebten Feierabend-Slots füllst du alle Maschinen. Weniger Plätze sind kein Verlust, wenn sie Neue halten, die sonst nie wiederkommen würden.
Schritt 5: Rechne den Break-even pro Kurs
Ein Kurs ist wirtschaftlich, wenn die Einnahmen pro Teilnehmenden die Kosten des Slots decken. Die Formel: (Trainerhonorar + Nebenkosten pro Kurs) geteilt durch Umsatz pro Teilnehmer:in ergibt die Mindestzahl an Personen. Rechenbeispiel, frei gewählt: 40 € Honorar plus 15 € Nebenkosten ergeben 55 €. Bringt jede Person im Schnitt 22 € Umsatz, brauchst du mindestens drei Teilnehmende (55 geteilt durch 22 sind 2,5, also aufgerundet 3).
Der Software-Anbieter fitDEGREE empfiehlt, Kurse, die über längere Zeit unter dem Break-even liegen, zu verschieben oder zu streichen. Ich würde das behutsamer angehen: Prüfe erst, ob Uhrzeit, Level oder Kommunikation das Problem sind, bevor du einen Slot streichst. Manche Kurse bringen indirekt Wert, etwa wenn sie die einzige Option für Schichtarbeitende sind.
Schritt 6: Ändere ruhig und mit Vorlauf
Mitglieder planen ihre Woche um deine Kurse herum. Ständige Änderungen machen sie unsicher. FitDEGREE empfiehlt, die Daten alle 90 Tage zu prüfen, pro Quartal höchstens rund 20 Prozent der Zeitslots zu ändern, Änderungen drei bis vier Wochen vorher anzukündigen und neue Zeiten acht Wochen lang zu testen. Das sind Richtwerte eines Anbieters, sie passen aber gut zur Logik eines Studios, das Stammkundschaft schützen will.
Randzeiten füllen, ohne zu rabattieren
Nicht jeder Slot wird zum Stoßzeit-Kurs, und das ist in Ordnung. Statt Preise zu senken, kannst du Anreize setzen: eine Extra-Stempelung für den Dienstagmittag oder ein kleines Dankeschön für Mitglieder, die ihre Stunden gleichmäßiger verteilen. Mit einer digitalen Stempelkarte im Wallet sehen Mitglieder ihren Fortschritt direkt auf dem Handy, und du kannst Randzeiten mit Push-Nachrichten gezielt bewerben. Wie du Auslastung, Warteliste und No-Shows zusammen steuerst, liest du in unserem Guide zur Auslastung im Pilates-Studio.
Fünf häufige Fehler im Kursplan
Erstens: zu viele ähnliche Kurse, die sich gegenseitig Teilnehmende wegnehmen. Zweitens: Entscheidungen nach Buchungszahlen statt Check-ins. Drittens: Level, die nur auf dem Papier existieren und im Kurs nicht spürbar sind. Viertens: Änderungen ohne Vorlauf, die Stammmitglieder verärgern. Fünftens: kein Puffer zwischen den Kursen. Plane zehn bis fünfzehn Minuten zum Umbauen und Ankommen ein, sonst startet jeder Kurs gehetzt.
Dein Kursplan in vier Wochen
Woche 1: Daten der letzten acht Wochen sammeln und Auslastung pro Slot berechnen. Woche 2: drei Slots mit der niedrigsten und drei mit der höchsten Auslastung markieren und Ursachen sammeln, auch durch Gespräche mit Mitgliedern. Woche 3: höchstens zwei bis drei Änderungen planen, Level klarer benennen und die Änderungen ankündigen. Woche 4: Testphase starten und einen Termin nach acht Wochen für die Auswertung eintragen.
Fazit: Weniger raten, mehr zuhören
Ein guter Kursplan entsteht nicht in einem Wurf, sondern durch regelmäßiges Prüfen, kleine Anpassungen und ehrliche Gespräche mit deinen Mitgliedern. Wenn du sehen willst, wie Stempelkarte, Wallet und Push-Nachrichten dir helfen, Kurse gleichmäßiger zu füllen und Mitglieder zu halten, buche eine kostenlose Gainback-Demo.
Häufige Fragen
Wie viele Kurse pro Woche sollte ein Pilates-Studio anbieten?
Das hängt von Reformer-Zahl, Team und Nachfrage ab. Statt einer festen Zahl hilft die Auslastung: Wenn die meisten Slots deutlich unter dem Richtwert von etwa 75 bis 85 Prozent liegen, ist der Plan eher zu dicht. Starte lieber mit weniger Kursen und füge Slots hinzu, wenn die Warteliste wächst.
Wie groß sollte eine Reformer-Pilates-Gruppe sein?
Als Branchenorientierung werden oft 8 bis 12 Teilnehmende genannt. Entscheidend ist die Betreuung: Einsteiger profitieren von kleineren Gruppen, beliebte Feierabend-Slots dürfen voller sein. Die Zahl deiner Maschinen setzt die Obergrenze.
Wie oft sollte ich meinen Kursplan ändern?
Eher selten und gezielt. Ein Anbieter wie fitDEGREE empfiehlt eine Prüfung alle 90 Tage, höchstens etwa 20 Prozent geänderte Slots pro Quartal und eine Ankündigung drei bis vier Wochen vorher. Teste neue Zeiten acht Wochen, bevor du entscheidest.
Wann lohnt es sich, einen Kurs zu streichen?
Wenn er über mehrere Wochen unter deinem Break-even liegt und Zeit, Level und Kommunikation geprüft sind. Rechne die Kosten pro Kurs aus und frage Stammmitglieder, bevor du entscheidest. Manche Slots haben strategischen Wert, etwa für Schichtarbeitende.


